Das Leben als Mirco-Influencer

Das Leben als Mirco-Influencer

Autor Rebecca Niggemann, www.pineappelsandpumps.com

Ich bin Micro – Influencer

Influencer, das ist ja an sich schon ein bescheuertes Wort. Aber richtig absurd ist es, wenn man so wie ich jenseits der 100K liegt und als Micro-Influencer gilt. Ich meine mal ehrlich, wer bezeichnet sich denn selbst gerne als minimal einflussreich und nur geringfügig richtungsweisend? Im Grunde ist dieser Begriff eine echte Beleidigung. Eine Herabstufung, die ihresgleichen sucht und doch völlig legitim im Bereich des Social Media Marketings ihr Dasein fristet. Meine 20.000 Follower auf Instagram sind nicht mehr als ein Fliegenschiss in der Welt der große Account zwischen 500.000 und 1.000.000 Followern, die in letzter Zeit immer mehr gefühlt wie Pilze aus dem Boden sprießen. Ein kleines Licht von vielen. Genau das ist es, was ich immer wieder höre und wie man mir entgegentritt. Suggerierte Bedeutungslosigkeit, die ja auch super praktisch ist, vor allem dann, wenn man den Preis drücken möchte.

Yeah ich bin Influencer!

Die guten Manieren von Agenturen

Zuverlässigkeit, Authetizität und hochwertiger Content – wer braucht das schon, wenn denn nur die Zahl stimmt. Die Gier der Unternehmen nach Followern ist schier grenzenlos. Sie lassen sich blenden von blanken Zahlen ohne zu hinterfragen. Naiv glauben sie, was man sie glauben lassen will, beraten von Agenturen, die das zur Verfügung gestellte Budget lieber in sich selbst investieren, statt es im Sinne ihres Kunden bestmöglich zu verwalten. Auf den German Press Days in Berlin habe ich die Falschheit von Agenturen in ihrem ganzen Ausmaß gesehen. Zuckersüße PR-Assistentin, frisch von der Uni, die das blaue vom Himmel versprechen und Kooperationen und Zusammenarbeiten in Aussicht stellen, dass man seinen Ohren kaum traut. Und dann zu Hause angekommen, bekommt man auf die freundliche Follow-up Mail die Antwort, man wäre ja sowas von klein, da könnte man ja nicht mal Samples zu schicken. Das ist kein Habitus eines professionellen Business, das ist pubertäres Pausenhof-Mobbing.

Hast Du nichts, bist Du nichts!

Mark Zuckerberg, der Mister Evil unserer Zeit

Die liebe Caro kenne ich nun schon über zwei Jahre. Ganz am Anfang meiner unbedeutenden „Instagram-Laufbahn“ haben wir uns kennengelernt. Damals, als 10.000 Follower viel waren und 100.000 einfach gigantisch. Wo 1.000.000 völlig absurd erschien und wo Instagram noch nicht zu der manipulativen Facebook-Industrie gehörte. Heute gehört Instagram dem Zuckerberg-Imperium an und Caro’s Account zählt 100K. Wenigstens eine gute Sache ist also passiert. Influencer mit einer großen Zahl an Followern werden hofiert, das wissen wir alle. Doch neulich als ich mit Caro auf der Ispo war, stürzten sich die Verantwortlichen der Firmen gerade zu auf sie. Wie durch die Wüste irrende Beduinen, die endlich eine Oase erreicht haben. Ich war unsichtbar. Vergessen, ebenso wie das Benehmen der Verantwortlichen. Diese Erfahrung war nicht verletzend, sie war schockierend. Schockierend wie Unternehmen aus Influencer mit vielen Followern reagieren. Wie Sugar Daddys auf junge Frauen. Sabbernd, anbiedernd und absolut beschämend. Doch genau das gleiche Verhalten legen auch Influencer untereinander an den Tag. Hier wird sich nur mit „nützlichen Nutzern“ umgeben, immer in der Hoffnung, man könnte durch diese Verbindungen profitieren. Permanent erreichen mich Fragen, seit wann ich denn eigentlich so gut mit Caro befreundet bin und woher wir uns denn kennen. Immer schwingt eine subtile Unterstellung mit, die mich als Anhängsel bezeichnet, die alleine nie irgendwo eingeladen wird. Ich werde das nie verstehen.

Maximale Fremdbestimmung: Instagram

Instagram macht mir Spaß. Zwar bedeutend weniges als vor der Facebook Übernahme, nach der Herr Zuckerberg ständig irgendetwas verändert. Und genau das ist doch der Punkt. Alles, was in dieser App passiert, wird kontrolliert und gesteuert von einem Mann. Völlig willkürlich, ohne den geringsten Funken von Verlässlichkeit. Und daran hängen Milliarden von Geldern, Millionen von Existenzen und eine Unendlichkeit von Träumen. Nutzen tut das nur einem. Zuckerberg. Denn das ist die ultimative Macht. Und die maximale Abhängigkeit einer ganzen Branche im digitalen Zeitalter. Merkt ihr, wie dumm das ist? Seine Zukunft und berufliche Existenz, sowie das Wachstum seines Unternehmens in solch größenwahnsinnige Hände zu legen. Erinnert Ihr Euch noch als über Nacht plötzlich auf allen Konto Follower verschwanden, weil Instagram ein Problem hatte, die dann mit Mühe und Not wiederhergestellt wurden? Dieser panische Aufschrei, weil jeder plötzlich Angst hatte der Fake-Follower bezichtigt zu werden.

Die Angst vor der Wahrheit im Leben ist weniger groß als die Angst Follower auf Instagram zu verlieren.

Die wahre Aussagekraft des Engagements

Alle Welt ist besessen von Zahlen, sind es nicht die Follower, weil man will ja nicht oberflächlich erscheinen, so ist es die Interaktionsrate. Engagement das nächste schwachsinnige Zauberwort. Engagement bezeichnet den Prozentsatz, der sich aus der Interaktion, also den Likes und Kommentaren gemessen an der Anzahl der Follower errechnen lässt. Und dieser Prozentsatz ist dann Grundlage für die Beurteilung der Qualität des Accounts. Doch ein echter Indikator für den Wert des Profils ist das auf keinen Fall. Ich frage mich wirklich, ob die Firmen ernsthaft nichts von der fest etablierten Existenz von Engagementgruppen auf Facebook, Instagram und Telegram wissen. Und dass sich der Aufbau einer gut funktionierenden Gruppen finanziell rentiert, denn es gibt einen Markt von Menschen, die sie aufkaufen. Der Grund ist natürlich auch hier wieder die Macht und Kontrolle über das Business anderer.

Micro-Influencer, nein danke!

Machen wir uns bitte eins klar. Als Influencer ist niemand selbstständig und unabhängig, zu keiner Zeit. Ein Influencer ist maximal abhängig von der Steuerung und Willkür Dritte ohne die geringste Absicherung oder den geringsten Anspruch. Ein einziger Klick von Herrn Zuckerberg und ein jeder verschwindet in der Versenkung. Ein tiefer Fall aus dem Olymp. Mir als Micro Influencer wird das nicht weh tun. Das interessiert mich nicht mal, denn ich bin vor allem eins: Blogger. Ich arbeiten auf meinem Blog hochwertig Content mit einem Mehrwert für meine Leser aus. Ich setzte mich dort kritisch auseinander und ich bin von niemandem abhängig, was ich dort veröffentliche. Ich wachse stetig, frei von jeder Manipulation. Und mich wird es noch geben, lange nach dem die Blase Instagram geplatzt ist. Instagram ist wie Bitcoins. Schnelles Geld. Doch wahrer Erfolg kommt niemals schnell und niemals einfach.

 

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Caroline
Caroline Kynast ist die Gründerin von CAROLINEKYNAST.com. Seit Ihrem Marketing Studium arbeitet Sie als Bloggerin und Freelancerin im Bereich Social Media Marketing.

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