Selbstständigkeit

Selbstständigkeit

Nur eine Traumwelt

Die Selbstständigkeit  – hoch gelobt und verehrt – und was steckt dahinter? Ich sage Euch: viel Arbeit, viele Stunden, viele Tage und oftmals viele Tränen und Sorgen. Was bleibt unterm Strich? Setzen wir ins Verhältnis das was wir als Energie und Arbeitszeit eingesetzt haben – bleibt fast nichts übrig. Vorteil? Sein eigener Chef sein – das wars aber auch. Man kann in Urlaub fahren wann man möchte, muss sich keine extra Tage frei nehmen, sich nicht mit Kollegen abstimmen usw. Nachteile? Eine Menge – auch wenn viele sagen dass es doch nichts besseres gibt als Selbstständig zu sein. Ich sage an dieser Stelle: Vorsicht. Die ersten zwei Jahre sind Zuckerschlecken doch irgendwann kommt in JEDER Branche immer ein Einbruch – ja und dann – ja dann muss man vorgesorgt haben – sonst gibts einen schneller nicht mehr als man gucken kann.

Überlegt Euch das wirklich gut ob Ihr Selbstständig werden möchtet – Krankenkasse selbst zahlen, für die Rente vorsorgen, Steuern ohne Ende zahlen auf Euren Gewinn am Jahresende nach erfolgtem Jahresabschluss oder Abgabe der Einkommensteuererklärung bei Privatfirmen, Geld für einen Steuerberater ausgeben, der im Endeffekt nichts macht usw. Und was dann wenn man das Geld für die Zahlungen nicht hat? Ja dann fängt es an mit den Sorgen – den Sorgen die JEDER Selbstständige kennt, denn oftmals kommen immense Steuernachzahlungen dann wenn es gerade mit der Konjunktur bzw. Auftragslage nicht so gut läuft. Ja und die Krankenkasse? Ja die will trotzdem beglichen werden jeden Monat – auch wenn man gerademal nicht soviele Aufträge sammeln konnte für den Monat.

Glaubt mir, die Sorgen oder Gedanken die ein Selbständige hat möchtet Ihr nicht haben. Ich denke noch gerne an die Zeit als Angestellter zurück – eigenes Büro, leitende Position, Urlaubsgeld, feste Arbeitszeiten, gute Entlohnung – KEINE Sorgen, denn mein Gehalt kam jeden Monat pünktlich abzgl. aller Sozialleistungen. Ich musste mich um NICHTS kümmern – das einzige was ich tun musste war meine Arbeit zu erledigen. Mehr nicht!

Und jetzt? Ja jetzt arbeite ich meist von Montag bis Samstag von morgens bis spät abends – und blogge nebenbei, um nebenbei noch ein zweites Standbein zu haben. Muss mich um alles selbst kümmern, das Aufträge rein kommen, das die Abrechnungen gemacht werden, das alles bezahlt wird usw. Coolness Faktor an dieser Stelle? Gleich Null meine Lieben. Oftmals möchte ich einfach nur alles hinwerfen, da man denkt es geht nichts voran. Man fühlt sich wie ein Hamster im Rad – welcher läuft und läuft und kein Ziel vor Augen hat. Ich sag Euch solch ein Gefühl zu haben und so morgens aufzustehen ist nicht schön. Und nochmal für alle Zweifler hier an dieser Stelle – dies hat nichts mit einer Branche zu tun; als Selbständiger bist du in erster Linie immer das Opfer – das Opfer politischer Einflüsse und Entscheidungen, finanzamttechnisches Opfer und zu guter Letzt auch das Opfer Deiner Kundschaft – denn Du hast nie Recht sondern immer Schuld, wenn mal was nicht so läuft wie geplant. Mit solchen Dingen musst Du leben, egal ob Du als Blogger, als Werbeagentur, Unternehmensberater etc. selbständig bist.

Was denkt die Außenwelt über die Selbstständigkeit? Tja da habe ich auch schon eine Menge Reaktionen erlebt. Diese reichten von “ das wäre nichts für mich “ über “ da kann man sich ja eine Menge leisten“ bis hin zu „kein Wunder das man so eine fette Karre fährt“. Die letztere Aussage nervt mich am meisten – und macht mich regelrecht wütend – als wäre es ein Wunder solch ein Auto zu fahren im Zeitalter von Leasing und finanzierung Leute, was denkt Ihr denn das alle Autos auf dieser Welt bezahlt sind? Oder sagen wir es mal so, alle Autos die am Wochenende auf der Königsallee in Düsseldorf hoch und runter fahren?! Ich sag nur eins Leasing / Finanzierung macht es möglich und ist beim Auto absolut normal und Alltag, KAUM ein Mensch zahlt sein Auto noch voll und ganz und ist Eigentümer des Fahrzeugbriefes.

Also ist die Welt der Selbstständigkeit auch nur eine Traumwelt, die sich die Gesellschaft geschaffen hat. Selbstständigkeit bedeutet in den Augen der Gesellschaft Reichtum – doch dies ist absolut weit gefehlt, denn die meisten Selbständigen sind kleine bis mittelständische Unternehmen, oder meist auch einfache Privatfirmen (also Ein-Mann-Firmen). Selbstständigkeit heißt mit seiner Deinstleistung und / oder mit seinem Produkt in einem Haifischbecken voller anderer Anbieter zu schwimmen und zu versuchen den Happen namens Kunden abzukriegen der sich gerade im Becken an der Oberfläche tummelt. Mehr ist es nicht! Und dies jeden Tag aufs neue – 24 h – sieben Tage die Woche – 365 Tage im Jahr – heißt es Fischen nach dem nächsten Kunden – denn die Zeiten sind vorbei dass der Kunde von alleine kommt – auch hier bitte wieder nicht denken dass es Branchenspezifisch ist – das ist Quatsch. Ich habe noch nie einen Einzelhändler beispielsweise gesehen der in seinem Laden schläft und einfach doof drauf wartet das die Kunden zu ihm kommen. Jeden Tag aufs neue wird überlegt was man neues machen kann damit die Kundschaft zu einem kommt.

Das ist Selbstständigkeit – diese ganzen oben angesprochenen Aspekte – und nichts anderes. Ob ich Mitleid haben will? Nein – gewiss nicht – ich brauche kein Mitleid und auch keine Anerkennung. Anerkennung bekomme ich von kaufenden Kunden und das reicht mir. Was ich nur wollte mit diesem Beitrag ist manchen Menschen die Augen zu öffnen – dass Selbstständigkeit kein Zuckerschlecken ist und man weiß Gott KEINE Millionen auf dem Konto hat, sondern es mit viel Arbeit, Ausdauer und Sorgen zu tun hat – was einem oftmals sehr viel Kraft kostet.

caroline

 

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Caroline
Caroline Kynast ist die Gründerin und Bloggerin hinter CAROLINEKYNAST , einem Fashion- und Streetstyle Blog aus Deutschland.

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